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Gedichte

Bomben auf Bagdad

Als aus dem Affen der Mensch geworden,
Begann er alsbald mit Lügen und Morden.
Gott reute es, dass er den Menschen gemacht hat.
Voller Wut warf er darum Bomben auf Bagdad.

Da lagen sie nun in der nassen Letten.
Nur der fromme Noah konnte sich retten;
Mit seiner Mischpoke, die offenbar
Das gleiche Menschengesindel war.

Der Nimrod hat seine Leute beklaut
Und einen riesigen Turm gebaut.
Er glaubte, naiv und unbenommen,
Auf diese Weise Gott näher zu kommen.

Als Nimrod dann frech und an der Macht war
Und ohne Demut und ohne Acht war,
Da hat er "ich bin Gott" gesagt.
Und Gott warf wieder Bomben auf Bagdad.

Die Menschen ließen sich nicht belehren.
Sie hurten im Tempel, um Gott zu ehren.
Nur Abraham und sein Vetter Loth
Hielten sich fromm an Gottes Gebot.

Und dieser hat ihnen dann auch berichtet,
Dass er demnächst und bald ganz Bagdad vernichtet.
Nachdem er ihnen diese Absicht gesagt hat,
Warf Gott, der Gerechte, Bomben auf Bagdad.

Doch Bagdad ward wieder aufgebaut.
Und Gott der Herr hat nicht mehr hingeschaut.
Denn er hatte bei so viel Deppen und Toren
Sein Interesse am Menschen verloren.

Doch es interessierte die Stadt die prächtige
Späterhin andere Mächte und Mächtige.
Bevor Kyros seinen Raub gewagt hat
Warf der edle Perser Bomben auf Bagdad.

Ihm folgte einige Jahre später
Der Alexander als Übeltäter.
Nachdem er erfolgreich die Stadt bombardiert
Hat er sie, wie man sagt "gräcisiert".

Der Perser und Griechen erhabene Sitten
Übernahmen dann später Römer und Briten.
Um Bagdad in ihren Besitz zu führen,
Mussten sie vorher die Stadt bombardieren.

Später soll Gott auch gestorben sein
Und die Menschheit in Bosheit verdorben sein.
Und die Juden ließen in ihren Nöten
An Gottes Stelle den Dollar treten.

Mit dem Hohen Priester vom Dollar−Gott
Trieb Saddam Hussain einst Hohn und Spott.
Und weil sich Saddam dem Götzen versagt hat,
Warf der Dollar−Priester Bomben auf Bagdad.

Diese Tat eines eingebildeten Riesen
Wurde von allen Zwergen gepriesen.
Die glaubten, Bagdad zu bombardieren
Würde zur Macht und zur Größe führen.

Als das Dollar−Volk dem Bill Clinton grollte,
Weil er kein Schuft war (und kein Schuft sein wollte),
Tat dieser, was mancher Schuft vor ihm gemacht hat:
Er warf (widerwillig) Bomben auf Bagdad.

von Joseph X. Baur

Advokat in Wasserburg

Zum ersten Mal fühle ich geistige Schranken
In mir erlahmen die guten Gedanken.
Ich fühl' mich erbärmlich, winzig und klein,
Ich fühl' mich verlassen, vereinsamt, allein.
Da merk' ich, wie mich das Mittelmaß plagt
Und der Zahn der Zeit mir am Leben nagt.
Der tägliche Whisky paralysiert mich
Und ein dummes Weib tyrannisiert mich.
Ich möchte heraus aus meinen Geschäften
Und wieder kommen zu geistigen Kräften.
Ich möchte jung sein mit Geist und mit Feuer,
Ein völlig Freier, ein völlig Neuer.
Aber, was bleibt da übrig von mir?
Ein seelenlos domestiziertes Tier
Im Saustall, im Dreck. Ein armes Schwein:
Ein ganz gewöhnliches Spießbürgerlein

von Joseph X. Baur

Liebe Sabine

Du siehst, ich bin jetzt in Ceylon.
Ich hatte mir vorgenommen,
Vieles und an viel zu denken.
Dinge, mit denen ich Mich gerne beschäftige
Und für die ich ansonsten Wenig Zeit habe.
Da habe ich zunächst
Eine Anzahl Briefe geschrieben.
Den ersten schrieb ich an dich;
Dann an meine Frau.
Kann aber auch sein
Umgekehrt.
Du weißt, ich versuche,
Ehrlich und gerecht zu sein.
Diesen Brief aber
Schreibe ich nur an dich.
Die Welt hier ist wunderbar.
Da sind Sonne und Pflanzen,
Tiere und Menschen. −Das Meer−
Eine großartig−gewaltige
Synphonie der Natur.
In meinem Reisegepäck habe ich
Die Lehren des Buddha,
Gedichte von Bertolt Brecht,
Ein Werk über Logik,
Ein kybernetisches Wörterbuch
Und die besten Sätze
Des Genossen Lenin.
Du siehst: Mir geht es
Um Wahrheiten,
Die zu begreifen
Man Zeit braucht.
Und so fange ich gar nicht erst an
Mit dieser Lektüre.
Das Land ist zu schön
Und meine Zeit hier ist zu kurz.
Darum schreibe ich jetzt
Nur an dich.
Ich habe dir oft gesagt,
Dass ich den kleinen
Kybernetischen Apparat,
Der mein Dasein ausmacht,
Optimal pflege.
Ich füttere ihn gewissenhaft
Mit schönen und wissenswerten
Daten.
Hier gibt es viel zu speichern:
Das Land ist schön.
Die Menschen sind tolerant und friedfertig.
Meine letzte Bettgenossin
War eine wohlriechende Blume und
Ein sanftes Tier zugleich.
Ihre Worte waren Musik,
Musik einer nicht gekannten
Und auch nicht vollends erkennbaren
Welt.
Es könnte sein, dass Dir
Diese Worte missfallen.
Solltest du mich lieben.
Aber meine Absicht ist es
Wahrheiten zu schreiben.
Und darum schreie ich jetzt
Nur an dich.
Ich könnte dir jetzt schreiben, dass ich
Überall, wo ich gehe und stehe,
Nur an dich denke.
Aber was soll ich da lange noch
Buchstaben fabrizieren und selbstverständlich
Erneut hinmeditieren;
Ist doch des Senders Programm Dir, dem Empfänger,
Hinlänglich bekannt.
Heute fuhr ich mit der Eisenbahn durch Land
Ich erlebte
Ein Gewimmel von Menschen.
Da waren sie alle,
Die fleißigen und geduldigen
Kleinen Leute.
Frauen mit zierlichen Kindern,
Bettler und Mönche.
Männer mit Gesichtern
Gezeichnet von harter Arbeit,
Von Entbehrung und täglicher Not.
Gestern besuchte ich mit einem Freund
Die alte Klosterstadt Kandy.
Wir fuhren mit einer langsamen Eisenbahn.
Die vor jedem Bauernhaus anhält
Durch ein vom Regen abgefrischtes Land,
Vorbei an Palmenhainen und Reisfeldern,
Am Teeplantagen
Und gelben Flüssen.
Vorbei an braunen und schwarzfarbigen
Mädchen mit Mandelaugen
In bunten oder weißen Kleidern.
All die Gesichter, die ich sah,
Nicht nur die der Mädchen,
Glückliche und besonnene,
Meist aber das Leben erduldende
Gesichter,
Sammeln sich in meiner Erinnerung
In einem einzigen Summenbegriff,
In einem einzigen Sammelbegriff,
Da ist soviel Wissen
Und soviel Unwissenheit,
Soviel Möglichkeit zu lernen.
Da sind soviel Fragen,
Deren Beantwortung mir fehlt.

von Joseph X. Baur

Der apokalyptische Traum

Wenn er wiederkäme
Und er sähe die Dinge,
Die sie da machen.
Er würde lachen
Und er spräng' über die Klinge.

Wenn er wiederkäme,
Dann ließe er regnen.
Bomben auf Kirchen und Kapitalisten.
Und ohne Zweifel,
Er würde segnen
Die Terroristen.

Wenn er wiederkäme
Ginge er sicher nach Rom.
Und mit den großen Zimmermannshänden
Würde er schänden
Den Petersdom.
Dies, um das schändliche Spiel zu beenden.

Wenn er wiederkäme
Würde er alle armen Leute einigen
Zu einer großen Kraft.
Und er würde alle, die die Menschen peinigen,
Töten und steinigen.
Dann wäre sein Werk geschafft.

Wenn er wiederkäme
Würde er fluchen
Den kapitalistischen Schindern.
Und unter den Menschenkindern
Würd' er die Revolutionäre suchen.

Und er würde die finden, die sich
Der Revolution verschrieben.
Die die Welt ändern wollen
Und den Verhältnissen grollen.
Er würde die lieben,
Die verändern wollen.

Wenn er wiederkäme
Ließe er sich nicht ans Kreuz schlagen
Von Priestern und Imperialisten.
Er und die Christen
Würden es wagen,
Nein zu sagen.
Was wir schon lange tun müssten.

von Joseph X. Baur

Christus

Dein Wille beherrscht die Welt.
Dein Wille hat sie erhellt.
Deinen Worten muss sie sich beugen
Und trotzend sich demütig zeigen.

Dein Wille besiegt uns're Not
Das Leiden, die Trübsal, den Tod.
Und sträuben wir uns diesem Willen,
Wir müssen ihn dennoch erfüllen.

Deine Wahrheit gibt ewiges Leben.
Deine Demut lässt Mächtige beben.
Sie spottet der Spötter Spott.
Dein Wort gebietet den Zeiten,
Den Mächten und Ewigkeiten,
Mein Bruder Jesus, mein Gott.

von Joseph X. Baur

An die Überflüssigen

Ihr habt uns lange genug um die Erde betrogen
Und eueren Himmel uns vorgelogen,
Und so manches andere dumme Zeug.
Nun aber: Weg mit euch!

Ihr habt lange genug Geschäfte gemacht,
Mit der Lüge euch bestens durchgebracht
Als Pfaffe, als Bonze oder als Scheich.
Nun aber: Weg mit euch!

Ihr habt lange genug die Moral pervertiert,
Die Völker in geistigem Dunkel geführt.
Ihr wart vollgefressen, sie hungrig und bleich.
Nun aber: Weg mit euch!

Ihr habt mit den Reichen und Fürsten gebuhlt
Und habt deren Polizisten geschult.
Die Freiheit der Menschen war euch gleich.
Nun aber: Weg mit euch!

Wir wollen euch nicht mehr, ihr Volksbetrüger,
Wir brauchen euch nicht, infame Lügner.
Die Erde ist uns genug Himmelreich.
Aber ohne Euch.

von Joseph X. Baur

Der Tod des Sokrates

Ein schwarzes Huhn der Parze
Noch zum Spott.
Und jetzt den Sprung ins Schwarze.
Wo ist Gott?

Grüß' mir die Welt, die Feinde;
Ich verzeih'
Und grüße meine Freunde.
Gut, es sei.

Du reichst mir Freund den Becher,
Dir mein Dank.
Ich sterb' als Narr, als Zecher:
Ich war krank.

von Joseph X. Baur



Info

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  • besucht am Freitag, den 12. März 2010 um 3:43 Uhr
  • geändert am Donnerstag, den 13. September 2007 von Stefan K. Baur
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