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Lyrik
Eine kleine Gedichtsammlung von Joseph Baur
Gedichte Gedichte von Joseph Baur
Das Ende
Alle heiteren Gesänge
Sind verstummt auf meinem Mund,
Der in der bedrückten Enge
Stumm tut meine Leiden kund.

Wissend, dass das Spiel verloren,
Ohne Hoffnung bin ich jetzt,
Ein Gelächter für den Thoren,
Der auf mich die Hunde hetzt.

Denn erkannt hab' ich die Wahrheit,
Was der Dumme nie verzeiht.
Durch und durch sah ich in Klarheit:
Bin zur letzten Schmach bereit.

Zuzugeben, dass ich selber,
Wie die ganze Welt bin Mist
Und mein Wissen nur ein gelber
Hass auf ihre Träume ist.

Könnt' ich träumen,
Könnt' ich glauben,
Könnt' ich beten,
Könnt' ich weinen,
Dann könnt' ich mir viel erlauben,
Wär' ein Mensch erst,
Möcht' ich meinen.

Fazit:
Die Wahrheit ist hart:
Sie ist das Leiden.
Und wer sie erkannt hat,
Ist nicht zu beneiden.

Vom Erkenntnis-Baum hab' ich gegessen,
Mir wurde speiübel dabei.
Ich verlor alles, was ich besessen,
Nur eins hab ich: Ich bin frei.
Abschied von der Bestialität
Wie ein hungriger Stier
Fraß ich Kräuter und Triebe,
Die um mich wuchsen.
Das nannte ich "Liebe".
Nun ist's plötzlich anders.
Ich atme einer schönen Blume Duft.
Da ist über mir:
Blauer Himmel.
Um mich:
Frische Luft.
Die Situation der Wahrheit
Dann und wann und immerwieder
Hat geprügelt mich das Leben
Und ich weiß, solang ich atme
Wird es neue Prügel geben.

Heute scheint für mich die Sonne
Und ich blicke nicht zurück
Du bist meines Lebens Wonne,
Du, mein Leben, du mein Glück.

Doch ich weiß, dies geht vorüber.
Morgen wirst du lächelnd gehn
Und wirst sagen: "So mein Lieber.
Du wirst mich nicht wiedersehn."

Du wirst sagen: "Ach vergiß es,
Dass es mich auf Erden gibt.
Nimm zur Kenntnis, ganz gewiß ist,
Ich, ich hab dich nie geliebt."
Carolas Geburtstag
Die Sonne hat die Nebel durchbrochen
Und tauschwer glänzend fallen
Blätter und Zweige
Von Pappeln und Buchen.

Der Morgen bringt
Einen strahlenden Tag im Oktober
Voller Sonne und Farbe.
Dein Leben, die Welt.....
Das Meer
Jedesmal wenn ich
Meinen Urlaub an Meer
Verbracht habe und zurückkehre
Erfasst mich ein Gefühl von Schwermut.

Mag sein, dass ich den schönen Zeiten des Urlaubs
Nicht nachtrauere; denn ich bin von Haus aus faul
Und wenn ich daran denke,
Dass da ein Jahr ist mit harter Arbeit,
Mit den täglichen Sorgen um den Broterwerb.
Ein Jahr des Ärgerns
Mit dem Geschäft, dem Weib und
Anderen Mitmenschen,
Da werde ich traurig.

Aber das ist nicht der Hauptgrund
Meiner Melancholie.
Deren Leitmotiv ist wohl
Anderer Art.

Das Meer ist eine
Vollkommene Geliebte:
Stürmisch und zärtlich
Aufbrausend und voll der
Erdhaften Wärme.
Und die Sonne über dem Meer,
Die im Blauen untergehende,
Sie erinnert mich daran,
Dass da Zeit ist,
Abschied zu nehmen
Von der Geliebten.

Da umarme ich das Meer,
Stürmisch und voll Leidenschaft.
Ich tauche unter und mein Körper reibt sich
An den sanften Wogen
Wie an der weichen Haut einer Frau.

Ob ich wohl wiederkehren werde?
Ob ich sie wiedersehe, die Geliebte?
War dies das letzte Mal...
Und wie lange noch?
Ist die rote Sonne dann
Im blauen Meer ertrunken,
Wird mir klar,
Dass meine Jugend dahingeht.
Sonne und Meer werden bleiben;
Aber ich: In einigen Jahren bin ich
Ein Greis.

Da bleibt allerdings
Eine begeisternde Hoffnung,
Dass mich das Meer einmal
In jeder Gestalt,
Die ich dereinst haben werde,
Aufnimmt.
Der Revolutionär
Wenn ich meine Situation
Glasklar erfasse,
Muss ich einräumen,
Dass sie nicht gut ist.
Rein wirtschaftlich betrachtet,
Beutet mich der Kapitalismus aus.
Wie er alle ausbeutet,
Die in diesem System leben
Und noch dazu glauben, dass dies
Die freiste Form des Lebens ist.
Da gibt's nichts zu verdrehen
Und zu denken:
Ich kann nichts ändern.
Daran, dass ich täglich
Meine Haut den Oberpriestern
Des Goldenen Kalbes
Zum Markte trage.
Diese halten ihren täglichen
Gottesdienst in den Bankhäusern,
Den Tempeln des
Goldenen Kalbes.

Mein Unterhalt
Ist heute noch sicher.
Mir geht es besser
Als vielen, die das System
Verschließen hat.
Soll ich aber deshalb
Hosianna rufen und
In die Hosen scheißen
Und die goldene Hostie anbeten,
Nur, damit ich täglich
Zu meinem Stück Brot komme?
Eigentlich wäre es einfach,
Wenn ich meine Logik
Auf die Religion des Goldenen Kalbes
Einstellen würde.
Dann hätte ich vielleicht
Ruhe und das allgemeine
Spießbürgerliche Heil.
Dies entspräche der Logik
Meiner Eltern, meiner Vettern
Und der Logik
Meines Weibes.
Fürwahr:
Ich würde leichter leben.

Sie schlagen mir vor,
Dass ich, zur Klerisei
Des goldenen Kalbes
Meine Zuflucht nehme.
Zu den Oberpriestern,
Die in den Bankhäusern,
Den Kirchen des Mammon,
Die goldene Hostie zelebrieren.
Sie sagen:
Geld stinkt nicht.
Und ich höre sie sprechen.
Und ich weiß, dass seit Jahrhunderten
Das Blut der Völker
Vor diesen Altären
Und für diesen Götzen
Geopfert wird.

Seit Lenin bewiesen hat,
Dass man die Tempel des Goldenen Kalbes
Zertrümmern kann,
Und dass man besser lebt,
Wenn man den Götzen zerstört
Und wenn man den Oberpriestern
Das Fell über die Ohren zieht
Lebe ich im Kriegszustand
Mit dem Kapital.
Als Soldat der Humanität
An vorderster Front
Mit drei Patronen im Karabiner,
Einem Buschmesser. Ich leide
An Hunger und Cholera.
Der Feind vor mir ist mächtig.
Eine Phalanx, die über die schwersten
Und modernsten Geschütze verfügt.
Da heißt es: Sich überrollen lassen
Und kaltes Blut behalten.

Doch ich weiß, dass die Seite,
Auf der ich stehe,
Schließlich Sieger sein wird.
Auch wenn ich im Kampf falle
Und beim Siegesfest nicht
Dabei sein werde.

Wenn die trampelnden Füße
Der spielenden Kinder der Sieger
Dieses Klassenkampfes
über meinem Grabe vernehmbar sind,
Dann werden diese Kinder
Wallnüsse und Haselnüsse suchen
Und sicherlich nicht
Meines Kampfes gedenken.
Doch:
Ihr Glück ist mein Sieg und
Der Sinn meines Lebens.
Die Liebe des lieben Gottes
Dass sich Götter
Auch in Schafe verlieben
Ist kaum zu glauben.
Aber es soll schon
Vorgekommen sein.

Der große Allvater Zeus
War auch ein Sodomiter.
Er liebte ein weibliches Schaf,
Das auf den Bergen Griechenlands
Gras fraß und mit dummen Gesicht
In den Wind blökte.

Der große Gott liebte
Das Schaf. Aber,
Kann ein Schaf einen Gott lieben!
Es ist die Tragik der Götter,
Daß sie für ihre Werke
Nicht erfassbar sind.