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Zweitklässlerin
Meine Doudou geht in die 2. Klasse.
Schulanfang
Man könnte annehmen, dass zu Beginn der 2. Klasse eine kleine Begrüßungsfeier stattfindet. Doch weit gefehlt – regulärer Unterricht war angesagt. Mit dem :-) oder dem :-( möchte ich mich hier gar nicht lange aufhalten. Es geht vorwärts, wir müssen was tun!
Schwungschrift Nicht Druckschrift, sondern Schwungschrift!
Wunschvorstellung
Die Erlernung der Grundfähigkeit „Umgang mit Schwungschrift” ist keine einfache Angelegenheit, deshalb möchte ich als Vater vorsätzlich und ohne Vorbehalte tätig werden. Dabei orientiere ich mich an dem Klassenziel „Schwungschrift beherrschen” und beabsichtige, ein schulbegleitendes Projekt für meine eigene Tochter zu starten.
Wegbereitung
Während des Tippens am Computer lese ich mir manchmal die Wörter laut und deutlich vor, was bei meiner Tochter bereits zweimal Verblüffung und Bewunderung auslöste.

Wenn also meine Tochter meine Handschrift lesen kann, dann darf sie mir gerne auch alles diktieren (Schwungschrift: aktueller Schulstoff). Wenn sie allerdings nicht will, werde ich sie nicht dazu zwingen. Aus purer Menschlichkeit heraus, werde ich selbstverständlich versuchen, sie dazu zu motivieren.

Achtung: Bei anderen Gelegenheiten kann sich durchaus Ähnliches ergeben!
Grobkonzept
Als kurzfristiges Ziel kann ich mir Folgendes vorstellen: Sie liest genauso schnell, wie ich tippen kann. Vielleicht lasse ich mir sogar eine kleine Geschichte einfallen, damit uns das Ergebnis gemeinsam erfreuen kann. „Gemeinsamen Erfolg erleben” würde ich als „Harmonie” bezeichnen. Gerade weil ich eine harmonische Eltern-Kind-Beziehung anstrebe, wird es sich lohnen, eine zweitklässlergerechte Geschichte zu verfassen. Das Grobkonzept kristallisiert sich langsam heraus:
  1. Handschriftliches Verfassen einer Kindergeschichte
  2. Verbesserung der Schreibkunst (Learning by Doing)
Selbstverständlich wird sich vieles anders ereignen, als ich es mir im Detail vorstelle. Die Umsetzung meiner groben Vorstellungen sehe ich dadurch nicht gefährdet, weil ich meinem Kind eine Erfolg versprechende Orientierung vermitteln möchte.
Motivationsvorbereitung
„Meine Handschrift sieht zwar anders aus als deine”, sage ich – und erkläre ihr im selben Atemzug: „Schau mal, so schreibe ich ein großes D, so ein kleines a, und da habe ich einen Fehler gemacht!” Mit anderen Worten verteidige ich meine Sauklaue — es ist keine Schrift für Zweitklässler. „Du kannst bestimmt schon besser schreiben als ich.” Ohne ihre Antwort abzuwarten, versuche ich in ihr eine eigene Zielvorstellung zu wecken: „Vielleicht sollte ich dir einmal eine schöne Geschichte diktieren.” Und weiter: „Es spricht eigentlich nichts dagegen, wenn du eine Geschichte selbst schreibst.” Vielleicht öffnet ihr das die Augen und sie denkt: „Ich bin jetzt eine Zweitklässlerin! Ich kann das!”
  • Möglicherweise könnte ich beim Herleiten weiterführender Ziele und Möglichkeiten in ihr den Wunsch wecken, eine gute Schreiberin zu werden.
  • „Weißt du überhaupt schon, über was du schreiben willst, wie du dir deine eigene Märchenwelt vorstellst?” Ich habe mir sogar Gedanken darüber gemacht, wie man eine Geschichte konstruieren kann.
  • „Was wünschst du dir vom Christkind?”
Ich glaube, ich bin jetzt vorbereitet! :-)
Bekanntgabe
Mit dem Gefühl, handfeste Wunschvorstellungen gefasst zu haben, fragte ich meine Tochter schließlich: „Was hältst du eigentlich von einer eigenen Geschichte?” Ich hatte irgendwie das Gefühl, offene Türen einzurennen, denn sie strahlte: „Meinst du etwa, wir machen unsere eigene Geschichte?” „Ja, natürlich!” Das war einfach, fast schon zu einfach. :-)
Projektstart
Ich meinte noch: „Wir brauchen eine Welt, eine Gruppe, einen Helden – vielleicht mit enormer Zauberkraft – und selbstverständlich darf der Bösewicht nicht fehlen.” „Warum einen Helden?” „Ja, jede Geschichte hat einen Helden.” Ich versuchte Namen wie „Lazy Town” und „Spongebob” zu vermeiden. „Willst du, dass deine Tiere sprechen können? Und wo soll die Geschichte spielen?” Ehe ich nach einem Blatt Papier greifen konnte, diktierte meine Tochter bereits: Eine Prinzessin war im Tierzoo einkaufen, äh, „es war einmal eine Prinzessin im Tierzoo einkaufen [...].” Ich notierte mir nur noch stichpunktartig: „Prinzessin Rosella war im Tierzoo einkaufen. Wollte eine Katze kaufen. Babykatze. Prinzessin hat schon eine Katzenmama zuhause. 5 Babykatzen zuhause. Einen Freund für die Kätzchen suchen. Lina, Blümlein, Lilly, Drina, Sissi. Neue Katze will spielen, aber weiß nicht wie. Maus als Freundin. Verrückt!” Bis ich schließlich aus ihren Erzählungen folgerte: „Spiel, Pfeil, Spaß, Pfeil, Freunde”.
  1. Spiel Spaß Freunde
„Ja, genau!”, bejahte meine Tochter. Es ist nun offiziell, unser Projekt hat begonnen.
Ziele und Aspekte
Mit diesem Projekt erhoffe ich mir nicht nur das (handschriftliche) Verfassen einer Kindergeschichte. Mit dem Verweis auf Punkt 2 des Grobkonzepts (Verbesserung der Schreibkunst) erkenne ich erst jetzt, dass ich hier nach einem äußerst anspruchsvollen, schriftstellerischen Ziel greife, was mir anfangs in diesem Ausmaße gar nicht richtig bewusst war. Sollte ich vielleicht sogar das Grobkonzept relativieren? Schreibkunst zwar schon, aber nur im Sinne von Schönschrift! Was ist aber, wenn dadurch der inhaltliche Aspekt leiden muss? Geht dadurch der Spaß verloren?

An dieser Stelle sollte ich vielleicht etwas weiter ausholen, denn die Kätzchengeschichte meiner Tochter hat einen ganz bestimmten Hintergrund: Sie wünscht sich schon seit langem ein oder zwei Kätzchen. Wie Sie sehen, ist ein wichtiges Ziel meiner Tochter bereits formuliert. Diesem Ziel möchte ich nicht im Wege stehen. Im Gegenteil, ich versuche so weit wie möglich flexibel zu bleiben, damit meine Tochter ihr Ziel auch erreicht und Erfolg erlebt. Als wir uns ein bisschen über die Geschichte unterhielten, konnte ich zu passender Gelegenheit meine Grundeinstellung andeuten: „Wollen wir doch mal sehen, ob die Prinzessin Rosella weiß, was eine Katze so alles braucht.” Auch wenn ich hier eine metaphorische Brücke nicht leugnen kann, so verstand es meine Tochter sofort: „Erst, wenn die Prinzessin gut mit Katzen umgeht, bekomme ich Kätzchen. Ja?” Treffender hätte ich unser gemeinsames Ziel nicht formulieren können. Die Befürchtung, dass der inhaltliche Aspekt zu kurz käme, war mit einem Mal verpufft.

Meine Tochter ist nun dazu ermutigt, sich ernsthaft und umfassend mit dem Thema „Kätzchen” auseinanderzusetzen. Die schulischen Aspekte haben nach wie vor nicht an Relevanz verloren — es muss ja schließlich irgendjemand die Geschichte schreiben und diktieren. Der musisch künstlerische Aspekt kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz: Buch basteln, Bilder malen etc.
Orientierung
Ich fasse diese Ziele und Aspekte als projektbegleitende Orientierung zusammen:
  1. Ziele: erstes Haustier verdienen, schulbegleitendes Projekt
  2. Inhalt: Kätzchen
  3. Schule: neuen Schrifttyp erlernen, Diktieren → Lesen
  4. Kunst: Buch, Bilder, Charaktere und Storyboard
  5. Erziehung: die Tür zeigen (Matrix) 1
Ich betrachte Orientierung als Entscheidungshilfe und eine projektbegleitende Orientierung als Entscheidungshilfe für den Projektleiter. Entscheidungen werden bei diesem Projekt ganz sicher auf der Tagesordnung stehen – Sie kennen ja meine Tochter! Deshalb ist es ganz wichtig für den Erfolg des Projektes, ein Hilfsmittel zur schnellen Entscheidungsbildung bei der Hand zu haben. Hierfür habe ich obige Orientierung vorgesehen.

Vielleicht gehören Sie ebenfalls zu der Art von Menschen, die während einer Suche auch einmal stehen bleiben, um sich neu zu orientieren oder um nach dem richtigen Weg zu fragen.
Motivation
Auch wenn meine Tochter offensichtlich Motive hat und hoch motiviert ist, darf ich mich dennoch nicht darauf verlassen, dass ihre Motivation über den gesamten Verlauf unserer Projektarbeit hinweg anhalten wird. Aus diesem Grunde muss ich vorbereitet sein. Aber anstatt mir viele Motive für den Bedarfsfall zurechtzulegen, folge ich lieber der Maxime:
  1. „Gib ihr ein Ziel, worauf sie sich freuen kann!”
Deshalb habe ich mit einem Arbeitskollegen, der noch fünf Kätzchen zu vergeben hat, vereinbart, dass wir zwei Kätzchen von ihm bekommen – ein wichtiger Schritt für den Erfolg unseres Projekts. Diese Kätzchen im Alter von sieben Wochen sind allerdings noch zu jung, als dass er sie jetzt schon hergeben könnte. „Kätzchen dürfen erst zwölf Wochen nach ihrer Geburt verschenkt werden. Wenn du also unsere Geschichte ernst nimmst, spricht gar nichts dagegen, wenn wir uns in fünf Wochen zwei Kätzchen abholen!”
Stoffsammlung
Wasserfallartig – das war aber auch klar – legte meine Tochter los: „Wir müssen jetzt ein Katzenklo kaufen, damit die Kätzchen [...].” Und dies und das und jenes. Ich habe jetzt schon Probleme beim Rekapitulieren unseres Gesprächs, es war einfach zu viel Stoff auf einmal. Ich hoffe nur, ich vergesse nicht viel. Und unser Nachbarjunge musste selbstverständlich auch davon erfahren, und meine Tochter erzählte von Katzenfamilie und von Regeln für Kätzchen, was sie alles nicht tun dürften. Sie war nicht zu bremsen. Das macht aber gar nichts! Es ist ja schließlich eine stinknormale Stoffsammlung, auch bekannt unter dem Namen Brainstorming.
Es würde mich freuen, Ihnen bei nächster Gelegenheit mehr darüber zu erzählen.

Herzlichst, Stefan Karl Baur
Traumberufe
Tierärtzin und Malerin
Ein Ereignis am Dienstag, den 23. Juni 2009.

„Also ich will Tierärztin werden … und Malerin!” verkündete meine Tochter während der morgendlichen Malstunde. „Wolltest Du nicht Giraffenhalsärztin werden?” flapste ich ihr entgegen. Meine Tochter erklärte mir, dass eine Tierärztin auch eine Giraffenhalsärztin sei. „Willst Du nicht doch lieber nur eine Nashornhornärztin werden … oder eine Tausendfüßlerfußärztin … und Malerin.” „Oder Zebrastreifenärztin und Malerin!” fiel mir nach längerer Überlegung noch ein. Das war wohl auch kein besonders guter Beitrag, denn Zebrastreifen könne man nach Auskunft meiner Tochter nicht behandeln. Und als ich ihr die Vorschläge Elefantenrüsselärztin, Fliegenflügelärztin und Kängurubeutelärztin unterbreitete, belehrte mich meine Tochter: „Wie oft denn noch? Eine Tierärztin ist alles, was Du sagst!” Nachdem ich meine Tochter bei der Schule ablieferte, fielen mir noch weitere speziellere Tierärztinnenberufe ein:
  • Gürteltiergürtelärztin,
  • Kuheuterärztin,
  • Eichhörnchenschweifärztin,
  • Hasenohrenärztin,
  • Katzenschnurrhaarärztin,
  • Schlangenhautärztin,
  • Schildkrötenpanzerärztin,
  • Glühwürmchenlichtärztin,
  • Adleraugenärztin,
  • Fischflossenärztin,
  • Tigerkrallenärztin,
  • Entenschwimmhautärztin,
  • Schweinebauchärztin,
  • Hundepfotenärztin,
  • Haifischzahnärztin,
  • Löwenmähnenärztin,
  • Chinchillafellärztin,
  • Spinnenbeinärztin,
  • Stechmückensaugrüsselärztin und
  • Warzenschweinwarzenärztin.
Also meine Tochter hat sich viel vorgenommen:
  1. Sie will Tierärztin werden … und Malerin!
Malerin? Giraffenhalsmalerin, Nashornhornmalerin, Tausendfüßlerfußmalerin, Zebrastreifenmalerin etc. :-)

Bei der Nachbesprechung fielen uns noch weitere Berufe ein:
  • Schwertfischschwertärztin,
  • Krakententakelärztin,
  • Schneckenhausärztin,
  • Fuchsschwanzärztin,
  • Bärentatzenärztin,
  • Bienenstachelärztin und
  • Marienkäferpunktärztin.
Lernen
Lernen mit Karten
Kartenspielen animiert zum Kopfrechnen – wenn wir gemeinsam Neunerln (ein berühmtes Kartenspiel mit Schafkopfkarten) spielen, wird am Ende jeder Runde die Augenzahl zusammenaddiert und auf die Teilnehmerliste eingetragen. Die Herausforderung des Zusammenzählens der Augenzahl einer Hand lassen sich die Kinder ungern nehmen, meine Tochter gehört glücklicherweise auch zu diesen Kindern. Deshalb betrachte ich persönlich das Kartenspielen als Ergänzung zum Mathematikunterricht.