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Kriterien

Bei der Erstellung eines Pflichtenheftes muss man äußerst kritisch sein, sonst hört man in den Umsetzungsphasen Kritik von allen Seiten. :−(

Was macht ein Pflichtenheft zum Pflichtenheft?

Ihr Pflichtenheft sollte nach Möglichkeit folgende Kriterien {Zur Verfassung vorliegender Seite inspirierte mich das Vorlesungsmaterial "Spezifikation von Anforderungen: Merkmale einer guten Spezifikation" von Prof. Dr. Martin Glinz.} erfüllen: Die Qualität eines Pflichtenheftes bemisst sich nach dem Grad der Erfüllung dieser Kriterien.

Approximation

Theoretisch gesehen, kann keines der oben genannten Kriterien vollends erfüllt werden. Man kann mit Leichtigkeit zeigen, dass ein (beliebiges) Pflichtenheft jedes einzelne der oben genannten Kriterien verletzt — ein gefundenes Fressen für Logiker. Seien Sie also vorsichtig mit Behauptungen wie beispielsweise: „Mein Pflichtenheft ist frei von Widersprüchen!”
Es gibt zwar (formale) Aussagenmengen, die beispielsweise widerspruchsfrei sind, wie zum Beispiel die Presburger Arithmetik, aber diese sind in ihrer Aussagekraft so schwach, dass sie sich nicht für Anforderungsspezifikationen eignen dürften.
Sobald man es mit natürlichen Sprachen zu tun hat, hat man im Allgemeinen Schwierigkeiten, eindeutige, sich nicht widersprechende Aussagen zu treffen. Jedes einzelne Detail wird zur Auslegungssache und setzt beim Lesenden einen gesunden Menschenverstand voraus. :−(
Ich denke, wir sind uns einig darüber, dass die oben genannten Kriterien zu streng formuliert sind, als dass sie vollends erfüllt werden könnten. Ein perfektes Pflichtenheft wird es wohl nie geben, aber man kann zumindest versuchen, die oben genannten Kriterien so gut wie möglich einzuhalten.

Ziel

Ziel ist es ja auch nicht, ein perfektes Pflichtenheft zu erstellen, sondern eine solide Grundlage für eine nahezu risikofreie Produktentwicklung zu schaffen.



Tipps

Verständlichkeit

Damit Ihr Auftraggeber das Pflichtenheft abnehmen kann, muss er es auch verstehen. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn das Pflichtenheft mit Fachtermini übersät ist. Das Pflichtenheft wird für einen fachunkundigen Auftraggeber verständlicher, wenn unnötige Fachbegriffe vermieden und beispielsweise mit einfachen Worten umschrieben werden. Dennoch sollten Sie stets präzise auf den Punkt kommen und den Lesenden nicht mit unnötigen Ausführungen verwirren. Doch hier widerspreche ich mir selbst — mein Beitrag zur Inkonsistenz! :−)

Eindeutigkeit

Um Missverständnissen vorzubeugen, müssen die Begrifflichkeiten beispielsweise im Glossar eindeutig geklärt werden. Mehrdeutige Formulierungen sollten Sie nochmals in andere Worte fassen, auch wenn dies manchmal überflüssig erscheinen sollte (positive Redundanz).

Adäquatheit

Der Auftraggeber hat eine gewisse Vorstellung von seinem Wunschprodukt. Diese sollten Sie nach Möglichkeit, so gut es geht, wiedergeben. Beschreiben Sie also nicht das, was Sie gerne hätten, sondern das, was Ihr Auftraggeber gerne hätte! Führen Sie Gespräche mit ihm, überzeugen Sie ihn, wenn nötig, aber benutzen Sie nicht das Pflichtenheft für den Unterschleif eigener Vorstellungen!

Vollständigkeit

Produkte, für die eine prozesshafte Entwicklung erforderlich ist, sind in aller Regel sehr umfangreich. Nehmen Sie sich Zeit, um alle Bestandteile des Zielprodukts sorgfältig auf Vollständigkeit zu prüfen! Oftmals kann man sich kürzer fassen, wenn man statt einer umständlichen Vervollständigung abgrenzend beschreibt, was es nicht ist (Abgrenzung).

Konsistenz

Dieser Begriff aus der Logik besagt, dass ein System von Aussagen keinen Widerspruch enthält. Dies sollte weitgehend auch für das Pflichtenheft gelten, denn Widersprüche lassen sich nicht realisieren. Wie kann beispielsweise ein grünes Auto gleichzeitig gelb sein — und vor allem: Wie realisiert man ein solches Auto? Hier gibt es leider keinen Compiler, der Sie auf Widersprüchlichkeiten aufmerksam machen könnte. Das einzige Mittel zur Aufdeckung solcher im Pflichtenheft kann m. E. nur das aufmerksame Korrekturlesen sein. Oder gibt es vielleicht doch eine methodische Vorgehensweise, die die Entstehung von Widersprüchen von vornherein ausschließt?

Prüfbarkeit

Ist das Endprodukt fertiggestellt, möchte vor allem der Auftraggeber überprüfen können, ob es sich auch um das Produkt handelt, welches im Pflichtenheft beschrieben wurde. Um dies prüfen zu können, sollte man nach Balzert globale Testfälle beschreiben, wonach das Endprodukt abschließend geprüft werden kann.



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Info

stefan−baur.de / Pflichtenheft−Kriterien
  • besucht am Dienstag, den 9. März 2010 um 23:48 Uhr
  • geändert am Sonntag, den 15. März 2009 von Stefan K. Baur
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