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Einführung

Es liegt auf der Hand, dass jeder Spielzug den weiteren Spielverlauf beeinflusst. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass man keinen bereits getätigten Spielzug wieder zurücknehmen darf (berührt, geführt).
Es dürfte jedem Spieler klar sein, dass man eine Partie nicht gleich mit einem erfolgreichen Mattangriff beginnen kann. Die Möglichkeiten zu einem erfolgreichen Mattangriff entstehen erst später im fortwährenden Machtkampf um die Position und um das Material. Hierbei gilt der Grundsatz:
Je besser der Positions- und Materialvorteil, desto mehr Möglichkeiten das Spiel zu gewinnen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Zeit, nicht das Ticken der Schachuhr, sondern das Tempo. Manchmal würde man sich eben wünschen zwei Züge auf einmal tätigen zu dürfen. Wenn das der Fall ist, dann ist man sicherlich ein Tempo im Rückstand. Den Faktor Zeit kann man aber im allgemeinen der Position zuordnen, weil man ja im Endeffekt nur schlechter steht.
Manchmal nimmt man einen Verlust an Material in Kauf, wenn man sich dadurch eine bessere Position verspricht und umgekehrt (das Gambitspiel).
Letztlich zählt aber die Gesamtgewichtung des Spiels. Die Eröffnungstheorie befasst sich genau mit dieser Gesamtgewichtung zu Beginn einer Partie.

Eröffnung ist nicht alles!

Laut Michail Botwinnik läge das Wesen des Schachs nicht im Beginn der Partie, der Hauptinhalt des Schachs bestehe nämlich darin, in einer komplizierten, originellen Position die richtige Lösung zu finden, vergleiche [RUSSENLEHREN S. 23].

Ausgangsposition

Zu Beginn einer Partie hat Weiß, ohne überhaupt schon gezogen zu haben, einen positionellen Vorteil bzw. ein besseres Tempo. Weiß möchte den Vorteil vergrößern oder zumindest halten. Gegen den Vorteil für Weiß möchte Schwarz natürlich vorgehen. Welche Strategien nun beide Parteien aufgreifen können, wird in der Eröffnungstheorie zum Gegenstand.

Eröffnungsarten

Eröffnungen kann man in drei große Gruppen unterteilen. Allerdings ist es schwer, treffende Allgemeinaussagen zu den jeweiligen Kategorien zu bilden, deshalb sollten Sie folgende Aussagen nicht als absolut ansehen, da es wie so oft Ausnahmen gibt.
  1. Offenes Spiel
    Weiß spielt offensiv; Schwarz spielt offensiv.
    Einleitende Zugfolge für offene Spiele: 1.e2-e4 e7-e5
  2. Halboffenes Spiel
    Weiß spielt offensiv; Schwarz spielt defensiv.
    Einleitende Zugfolge für halboffene Spiele: 1.e2-e4 und nicht e7-e5
  3. Geschlossenes Spiel
    Weiß spielt defensiv; Schwarz spielt defensiv.
    Einleitende Zugfolge für geschlossene Spiele beginnt nicht mit 1.e2-e4

Anmerkung

Es sind schon unzählig viele Eröffnungsspiele {Eine Sammlung der Schacheröffungen ist von Natur aus unvollstänig.} aus unzählig verschiedenen Blickrichtungen analysiert worden. Daher weiß man, dass besonders in der Eröffnung viele Fehler entstehen können. Deshalb ist es ratsam, sich mit der Eröffnungstheorie auseinander zu setzen.
Der Lernende sollte zu Beginn nur drei Eröffnungen kennenlernen:
  1. eine Eröffnung für Weiß und
  2. zwei Eröffnungen für Schwarz, also eine als Antwort auf 1.e4 und eine andere als Antwort auf 1.d4.
Partien einfach auswendig zu lernen, bringt in den meisten Fällen nur wenig, da die Chance, ein auswendiggelerntes Spiel aufs Brett zu bekommen, sehr gering ist.



Begriffe

Das Gambitspiel

Wie bereits oben schon erklärt worden ist, ist das Gambitspiel ein Opferspiel. Häufig opfert Weiß eine Figur (meist einen Bauern) und Schwarz nimmt meist auch das Opfer an.
Schwarz erleidet erst dann den starken Nachteil, wenn er den Materialvorteil aufrechterhalten will. Um positionell nicht schwach zu werden, sollte Schwarz sich richtig entwickeln und die Mehrfigur erst so spät wie möglich wieder zurückgeben. Das führt zwar wieder zum Materialausgleich, jedoch kann sich Schwarz freier entwickeln.


Oft heißt es, dass man mit einem Gambit keine Partie gewinnen kann. Das anfängliche Materialopfer könne man mit dem Entwicklungsvorsprung nicht kompensieren. Das stimmt meines Erachtens schon, wenn man gegen Weltklassespieler spielt. Nur hat man es nicht in jeder Partie mit Weltklassespielern zu tun. Gegen Mittelklassespielern hat man durchaus gute Chancen ein Gambitspiel zu gewinnen.
Sehen Sie sich hierzu folgende Gambiteröffnungen an:
  1. Königsgambit
  2. Damengambit
  3. Dänisches Gambit
  4. Schottisches Gambit
  5. Blackmar−Diemer Gambit

Partie und Eröffnung

Wenn von einer Partie oder von einer Eröffnung die Rede ist, dann wird indirekt die Zugfolge von Weiß angesprochen; dann ist in der Regel von Weiß die Rede.

Verteidigung

Mit Verteidigung meint man indirekt die Gegenwehr von Schwarz. Verteidigung ist also das Pendant zu Partie bzw. Eröffnung.
„Im allgemeinen werden alle Eröffnungen, deren Charakter Schwarz bestimmt, als Verteidigungen bezeichnet (wenn es sich nicht gerade um ein Gambit handelt)”, heißt es in [RICHTER−TESCHNER].

Entwicklung

Unter Entwicklung versteht man die Mobilisierung der Figuren in der Eröffnung [BESSERSCHACH S. 488].

Zugumstellung

Man bezeichnet die geänderte Reihenfolge der Züge einer Eröffnung als Zugumstellung.
Die Zugumstellung ist ein häufig benutzter Begriff in der Eröffnungstheorie. Gerät man von einer Variante einer Eröffnung A in eine andere Eröffnung B, so kann es sich um eine Zugumstellung der Eröffnung B handeln.
Ein Spieler sollte darauf achten, dass sein Gegner nicht die Möglichkeit bekommt, durch Zugumstellung in eine andere Eröffnung überleiten zu können, die dem Spieler nicht gefällt.



Info

stefan−baur.de / Eröffnungen

[RUSSENLEHREN]  Juri Awerbach,  Mark Taimanow,  Alexander Kotow,  Paul Keres,  Michail Tal u. a.:  Die Russen lehren Schach,  Edition Olms AG,  1998,  ISBN 3−283−00350−5.  24 Lektionen - zusammengestellt von German Friedstein

[RICHTER−TESCHNER]  Kurt Richter,  Rudolf Teschner:  Schacheröffnungen,  Walter de Gruyter & Co.,  5. Auflage,  1970.  Der kleine Bilguer

[BESSERSCHACH]  Wolf Michael:  So spielt man besser Schach,  Buch und Zeit Verlagsgesellschaft mbH Köln,  1983.  Vom klugen Eröffnungszug zum Matt







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